Traditionelles am Aschermittwoch

Nach dem närrischen Trubel: Aschekreuz und Heringsstipp / Wenn Schmalhans Küchenmeister ist.

Aschermittwoch
Pastor Schneiders beim Ausgeben des Kreuzes (Fotos: Konert)

Heiden - (hhk). Den Sonnenaufgang am 48. Tag des Jahres gaben die Meteorologen mit exakt 7.32 Uhr an. Als am Aschermittwoch um 8 Uhr der Wortgottesdienst für die Marienschüler begann, fielen die Sonnenstrahlen durch die Fenster ein und tauchten das Gotteshaus in wohlige Atmosphäre.

Pünktlich kamen Pfarrer Peter Schneiders und Diakon Hermann Sühling aus der Sakristei. Nach einem herzlichen guten Morgen fragte der Pfarrer: „Wer weiß, warum wir heute hier sind?“ Viele Finger schnellten aus den Kirchenbänken nach oben. Auch die Frage, wie lange die Fastenzeit dauere, bereitete den Jungen und Mädchen kein Kopfzerbrechen.

Traditionell kommen die Zweit-, Dritt- und Viertklässler der Grundschule am Aschermittwoch in Begleitung ihrer Lehrer und Lehrerinnen in die Kirche. Mit dem Ende der karnevalistischen Tage beginnt die 40-tägige Fastenzeit, die bis zum Ostersonntag dauert. Katholische Christen fasten in dieser Zeit und tun Buße. Kernbotschaft: Alles, was lebt, ist vergänglich. Das Kreuz symbolisiert die Hoffnung auf die Auferstehung.

Das und mehr vermittelte Pfarrer Schneiders den Kindern. Nachdem er erklärt hatte, dass die Asche aus Palmzweigen stammt und erläuternd Zweige, die von Küster Wilhelm Overkämping vorbereitet worden waren, am Altar verbrannte, bekamen die Kinder und ihre Begleiter mit Daumen das Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet.

Aschermittwoch
Vier Mädchen aus der 3a der Marienschule zeigen ihr Aschekreuz:
Johanna, Judith, Nele und Sofia

Dem Pfarrer halfen dabei Pastoralreferentin Andrea Hinse sowie Hermann Sühling. Während sie das Kreuz auf die Stirn zeichneten, sagten sie zu jedem: „Kehr´ um und glaube an das Evangelium.“ Das Singen mehrerer Lieder aus dem Buch der Pfarrei „Es läuten die Glocken“ begleitete an der Orgel der Organist Gerd Kerkemeier.

„Wir vertiefen das Thema Fastenzeit im Religionsunterricht“, berichtete Rektorin Birgit Möllers leise, wartend in der Schlange der Anstehenden. Der Schnee an den Schuhen der Kinder hatte sich längst in Wasser auf dem dunklen Boden verwandelt.

Als die Kinder schon wieder in der Schule an der Lembecker Straße saßen und lernten, begann in der Kapelle des Hauses St. Josef eine heilige Messe. Dorthin zieht es vorwiegend ältere Heidener, um sich das Aschekreuz geben zu lassen.

Auch das hat Tradition in Heiden: Am Aschermittwoch wird im AWO-Begegnungszentrum an der Lembecker Straße von 11 bis 13.30 Uhr Hausmannskost gereicht. „Rund 80 Portionen Heringsstipp haben wir angesetzt“, verriet AWO-Vorstandsmitglied Karin Stahlberg. Die ersten Interessierten hätten sich pünktlich um 11 Uhr Schälchen füllen lassen und mit nach Hause genommen. „Wir hatten sogar Bestellungen“, so Stahlberg. Die Resonanz sei aber auch beim Mittagstisch in der AWO gut gewesen, zumal sich die Besucher über ein leckeres Essen zum kleinen Preis freuen könnten.

Nach dem Sonnenuntergang um 17.41 Uhr gab es weitere AschermittwochsTreffen in Heiden. Im Gemeindesaal wurde ein Infotreffen zu Exerzitien im Alltag angeboten. Im Landhotel Beckmann stellten Mitglieder des Werbekreises abends ab 20 Uhr die Weichen für das aktuelle Kalenderjahr. Außerdem war dort Schmalhans Küchenmeister. Wen wundert es, das der obligatorische Matjes an einem strengen katholischen Fastentag zum Programm gehört.

Borkener Zeitung, 18. Februar 2010

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