Rädeln bei Wind und Wetter

Schreiner Johann Wienen (80) instruiert Oberrädelsführer David Frericks (16): "So geht es richtig"

Rädeln
Oberrädelsführer David Frericks (16), Mitstreiter und Schreiner Johann
Wienen (80) mit den Instrumenten, die die Glocken ersetzen. Foto: Konert

Heiden - (hhk). Welches Holz nehmen Sie? „Ich nehme Resthölzer für die Rädel“, sagt der Schreiner Johann Wienen. Der 80-Jährige ist vital. Es macht ihm sichtlich Spaß, den vier Jugendlichen zu erklären, wie sie die Rädel einsetzen müssen, damit sie nicht kaputt gehen.

David Frericks (16) ist einer der Oberrädelsführer, der die Rädler in diesem Jahr durch die Heidener Bezirke führt. Gewählt worden ist er nicht: „Ich war einfach dran“, sagt Frericks, weil er zu den ältesten Zehntklässlern gehört.

Gründonnerstag werden die kleinen Holz-Maschinen hervorgeholt. Wenn Glocken und Orgeln als Zeichen der Trauer schweigen, ziehen die Jungen im Alter von sechs bis 16 Jahren durch die Straßen Heidens und verursachen ohrenbetäubenden Lärm. Nur Brauchtumskundige hören darin Musik.

„Das Rädeln gehört in Heiden einfach dazu“, weiß der 80-jährige Schreiner. Er hat viele dieser Holzinstrumente in seiner Werkstatt hergestellt. Einige bewahrt er im Schrank auf. Kurz vor Ostern kommen die Jungs zu ihm und kaufen sie ihm ab. Knapp zwei Stunden braucht der Schreiner für eine Rädel. „Es sind keine Ratschen“, sagt er im Brustton der Überzeugung. Schon sein Vater hat die Instrumente für die Jungen in der Gemeinde an den Düwelsteenen gefertigt.

Sebastian Soppe (15) ist zum sechsten Mal dabei. Kumpel, die verschlafen haben, mit dem Lärm der Rädel aus dem Bett zu holen, mache besonders viel Spaß, bekennt er. Und so sieht das auch Daniel Marks (15).

Am Kardonnerstag treffen sich die Jungen um 10.45 Uhr auf dem Rathausplatz. Das Gemeindegebiet ist in sieben Bezirke unterteilt. Die Jungen tauchen im Hinter-, im Vorder- und im Mitteldorf auf. Außerdem stehen die Bereiche Deel, Surk, Lammersfeld und Ostricker Berg auf dem Gehplan.

Gerädelt wird am Donnerstagmittag außerdem zwischen 17 und 18 Uhr. Am Karfreitag ziehen die Jungen zwischen 5 und 6 Uhr, zwischen 11 und 12 Uhr sowie von 17 bis 18 Uhr herum; am Samstag zwischen 5 und 6 Uhr.

Die Heidener belohnen die Rädler mit Eiern, Süßigkeiten und Geld. In Gruppen ziehen die Jungs von Haus zu Haus und sammeln Spenden ein. Welchem Zweck die Spenden zugute kommen, müsse nach besprochen werden, sagt David Frericks.

Borkener Zeitung, 27. März 2010

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